Der Ballstretcher – ein Tool für den dominanten BDSMler?

Was ist ein Ballstretcher?

Es ist ein Gegenstand, der die Hoden vom Körper wegdrückt oder durch sein Gewicht wegzieht. Es gibt ihn aus Metall, Leder und Latex. Er wird geschraubt, geschnürt oder geknöpft.

Weit verbreitet sind Ballstretcher aus Metall. Meist bestehen sie aus zwei Hälften, die zwischen Penis und Hoden positioniert und dort zusammengeschraubt werden. Sie unterscheiden sich in ihrem Gewicht, dem Innendurchmesser und der Höhe, die bestimmt, wie weit der Hoden vom Körper weggedrückt wird.

Das Ganze hat mehrere Effekte:

  • Erstens „schwingt“ der Hoden bei sexueller Betätigung.
  • Zweitens wird der Hoden gespannt, was ein weiteres aufregendes Gefühl sein kann.
  • Drittens wird bei unbeschnittenen Männern die Vorhaut zurückgezogen. Je nach Größe des Ballstretchers entsteht so eine intensive Spannung in der Eichel. Nun bewegt sich auch keine Haut mehr, die Eichel ist allen Einflüssen direkt ausgesetzt. Männer, die nicht beschnitten sind, erfahren ein völlig neues Gefühl.
  • Viertens führt es zu einem anderen Orgasmuserlebnis. Meist wird der Orgasmus hinausgezögert. Währenddessen spürt man wie die Flüssigkeiten durch den Körper gleiten und kommt leicht versetzt zum Höhepunkt. Ein verrücktes Erlebnis.

Je höher das Gewicht des Ballstretchers, desto stärker ist der Zug und der Schwing-Effekt.

Beim BDSM wird der Ballstretcher häufig bei devoten Männern eingesetzt. Er kann sich aber auch für den dominanten Mann eignen, denn übertreibt man es nicht, ist der Schmerz gering oder nicht vorhanden, und das Gefühl ist etwas ganz besonderes. Die Genitalien werden stark zum Vorschein gebracht und präsentiert. Allein das Tragen kann ein Erlebnis sein.

Ich werde oft gefragt, ob etwas „kaputt“ gehen kann. Grundsätzlich kann das passieren, wenn man es übertreibt. Allerdings kann man sich sehr gut nach dem eigenen Schmerzempfinden richten. Erst bei starken Schmerzen muss man sich Sorgen machen. Bei großen Ballstretchern kann sich die Farbe der Hoden verändern. Trägt man diese nicht über viele Stunden, ist auch das soweit unbedenklich.

Man braucht auch keine Angst haben, dass nach ein paar Mal „die Hoden zwischen den Knien hängen“. Natürlich kann man die Haut dehnen und einen Effekt der Hodenverlängerung erreichen, dafür ist aber eine häufige Nutzung über längere Zeiträume notwendig. Einige Träger wünschen sich diesen Effekt, er wird aber im normalen Alltag, bei unregelmäßiger Benutzung nicht erreicht.

Ballstretcher BDSM

Ballstretcher aus Metall

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Covern – auch für Doms notwendig?

Ob sich auch ein Dom covern lassen sollte ist eine schwierige Frage, denn Doms könnten sich dadurch in Ihrer Dominanz in Frage gestellt fühlen.

Ich möchte als erstes den Begriff und die Notwendigkeit des Covern erläutern.

Hat man jemanden über das Internet oder eine Zeitungsanzeige kennengelernt und entschließt sich zu einem Treffen, sollte man eine Person seines Vertrauens darüber informieren. Diese Person sollte wissen, wo und wann man sich trifft und was geplant ist. Der zu Beschützende gibt regelmäßig Statusmeldungen darüber, ob alles in Ordnung ist. Diese Statusmeldungen sollten verschlüsselt sein, damit eine erzwungene Aussage verhindert werden kann. So kann eine SMS mit dem Inhalt „Mir geht es gut und der Typ ist total nett“ in Wirklichkeit bedeuten „Ich bin in Gefahr, hilf mir“. Im Gegensatz dazu kann zum Beispiel „Sonne blau“ bedeuten „Alles in Ordnung“. Man sollte einen exakten Wortlaut vereinbaren. Jede Abweichung bedeutet „Gefahr im Verzug, hilf mir“. So kann der versteckte Hilferuf durch eine bedrohende Person nicht als solcher erkannt werden.

Menschen, die man über das Netz „kennenlernt“, kennt man nicht wirklich. Auch anregender Schriftverkehr und sympathische Telefonate helfen nicht zu erkennen, ob es sich um einen vertrauenswürdigen Menschen handelt. Schwindler sind oft sehr empathisch. Zumal ein späterer Beweis für eine Straftat oder einen Betrug schwer fällt, wenn man vorher intensiv über BDSM geschrieben hat. Denn man stimmt quasi schriftlich verschiedenen Handlungen zu.

Bei allem Spaß am Unbekannten, am Kick der durch ein Treffen mit einem Fremden empfunden wird – Covern zerstört diese Fantasie nicht und ist ein Hilfsmittel, um Schaden zu verhindern.

Apps zur Positionsbestimmung können helfen. Beispielweise gibt es die Funktion der Handy-Ortung, ohne dass das Gerät eine Meldung anzeigt. Dazu muss man der covernden Person kurzzeitig sein Passwort zur Verfügung stellen. So ist im Notfall Hilfe schnell unterwegs.

Zurück zur Ausgangsfrage. Sicher ist Covern für eine devote junge Frau wichtiger als für einen 50jährigen Dom, der zwei Meter groß ist und Kampfsport betreibt. Aber auch er kann in brenzlige Situationen geraten. Da chattet ein Dom mit einer hübschen potentiellen Sub, telefoniert mit Ihr und verabredet sich. Er will sich in einem guten Hotel treffen, mit ihr in ein teures Restaurant gehen und danach in einem Studio spielen. Als er jedoch eintrifft, entpuppt sich das Traumdate als Falle, und Auto, Geld, Handy und Papiere sind weg. Gegen fünf Schläger hat auch er keine Chance. Natürlich kommt das nicht häufig vor, aber es ist eine reale Gefahr, vor der man sich durch Covern schützen kann.

Covern ist meiner Meinung nach für jeden nützlich, der im Bereich BDSM spielt. Es gibt viele Möglichkeiten sich covern zu lassen, zum Beispiel durch eingeweihte Freunde. Manche möchten sich jedoch gegenüber ihren Freunden nicht outen, oder Ihre Bekannte sind nicht zuverlässig genug. Dann kann man sich an Personen von BDSM Stammtischen, zu denen man Vertrauen hat, oder an spezielle Anbieter (z.B. Sklavenzentrale www.sklavenzentrale.com) wenden. Auch ich biete diesen Service für Klienten oder deren Freunde an. Wichtig ist, dass Ihr Euch der Zuverlässigkeit des Cover sicher seid.

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Beratung Online – SM / BDSM Coach

Ich wurde mehrfach angefragt, ob ich eine Online Beratung zum Thema SM / BDSM anbieten könnte. Ich habe mich entschlossen auch diese Form der Beratung möglich zu machen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer solchen Online-Beratung:

  • per Email
  • per Chat (Facebook, Google+, oder Ähnliche)
  • per Videochat

Ich möchte so den Menschen die Möglichkeit zu einem Coaching bieten, die noch nicht soweit sind, sich ganz zu offenbaren und die Anonymität des Netzes nutzen möchten.

Ich hoffe damit den vielen Anfragen gerecht zu werden.

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Kooperation mit der Sensual BDSM Gruppe bei Google+

Auf der Suche nach guten Gesprächsgruppen bin ich auf die Sensual BDSM Gruppe bei Google+ gestoßen.

Ich habe mich dort umgesehen und einige meiner Artikel in Deutsch gepostet. Die Resonanz und Gesprächskultur waren angenehm und sehr konstruktiv. Ich bin herzlich willkommen geheißen worden. Ein Betreiber der Community (Sir D. Gabrielson) sprach mich an, und bat mich, weiterhin meine Artikel in Deutsch zu posten. Der Inhalt meiner Artikel würde die Idee der Gruppe unterstützen. Es handele sich um eine weltweite Gruppe, man wolle den europäischen Anteil der User stärken. Jeder ist in seiner eigenen Landessprache willkommen. Die Übersetzungsfunktion bei Google funktioniert nicht perfekt, aber den Inhalt der Posts ist trotzdem verständlich. Posten, Lesen und Kommentare schreiben ist daher kein Problem.

Man erkennt in der Gruppe die unterschiedlichen, landestypischen Einstellungen zu BDSM. Wir Europäer verinnerlichen dieses Lebensgefühl anders als die Amerikaner. Aber auch innerhalb Europas gibt es große Unterschiede, die man neugierig erkunden kann. Die kontroversen Diskussionen sind spannend. Zudem gibt es gute Informationen, Texte und Fotos. Die veröffentlichten Bilder sind niveauvoll und spiegeln den Titel der Gruppe wieder.

Diese Gruppe zeigt die Vielfalt von BDSM und die unterschiedlichsten Herangehensweisen. Mit über 13.000 Mitgliedern ist sie sehr stark bei Google+ vertreten. Meine anfängliche Skepsis gegen Google+ hat sich gelegt. Es ist gut zu bedienen und beinhaltet viele nützliche Funktionen. Ein eigenes Profil ist schnell erstellt, und es stehen einem sofort alle Möglichkeiten offen. Besitzt man einen Gmail-Account, geht es noch zügiger, da man sich mit diesem direkt anmelden kann. Leider ist Europa noch nicht so stark vertreten; wir holen aber auf. Google+ bietet eine Alternative zu den bekannten Foren und erweitert die Möglichkeiten, neue Menschen kennen zu lernen.

Ich freue mich über die lockere Zusammenarbeit mit diesem Forum und bin auf den Austausch sehr gespannt.

https://plus.google.com/communities/104758304305360880791

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Analplug – passt er zu dominanten Männern beim SM / BDSM?

Kann ein dominanter Partner einen Analplug während eines SM / BDSM-Spiels tragen? Ist das nicht eher eine Variante, die einem Bottom zugeschrieben wird?

Ich finde, ein Plug passt auch gut zum dominanten Teil. Es hat für mich nichts Devotes, nichts Unterwürfiges; der Anus ist beim Mann ebenfalls eine spannende erotische Zone. Leider hat man uns Männern beigebracht, dass man dort nur Empfindungen verspürt, wenn man schwul ist; und überhaupt ist es total dreckig. Ich bin froh, dass sich die Welt in vielerlei Hinsicht verändert – wenn auch langsam. Wir Männer haben da eine empfindungsreiche Stelle, die alleine oder auch in Kombination intensive Gefühle ermöglicht.

Variantenreichtum beim Analplug

Es gibt inzwischen schöne „männliche“ Buttplugs, in Varianten aus Stahl, Glas oder Silikon. Die Auswahl ist riesig. Ich empfehle für erste Versuche einen aus Silikon. Er ist gut zu reinigen, hat einen angenehmen Tragekomfort, weil er flexibel ist; und ist in schwarzer Variante „männlich“ genug. Stahl ist anspruchsvoller (auch wenn ich das Material mag), da das Tragen deutlich schwieriger ist und die Bewegungsfreiheit einschränkt. Empfehlenswert beim ersten Mal ist eine nicht zu große Variante. Ja, ich weiß, wir Männer stehen auf dicke Dinger; lasst Euch trotzdem Zeit. Wenn es Euch Spaß macht, könnt Ihr die Kollektion durch einen Größeren erweitern.

Nicht nur, dass das gute Stück beim Sex eine ganze Palette neuer Gefühle offenbart, es verleiht beim Orgasmus nochmal einen besonderen Kick. Es kann ein Art „Ping-Pong-Effekt“ entstehen, der den Höhepunkt deutlich verlängert und eine neue Dimension eröffnet. Jeder macht da seine eigenen Erfahrungen, aber die Gespräche mit weiblichen Nutzern zeigen mir, dass männliche Empfindungen dem ähnlich sind, was sie erleben.

Ein Solo-Check mit einem Plug klärt schnell, ob man Spaß daran hat oder nicht.

Zurück zur Dominanz. Ich glaube, jeder Herr, Meister, Dom oder Top sollte die Dinge für sich nutzen, die ihm Freude bereiten. Manche mögen Spiele mit den Füßen, manche mögen den Analplug. Man kann das Einsetzen auch ins Spiel einbauen. Warum soll das nicht der Partner erledigen? Das ist sicherlich etwas, womit der/die Sub eher nicht rechnet. Ein schönes Überraschungsmoment.

Wer Ablehnung durch den Partner fürchtet, oder es gar nicht einschätzen kann, sollte vorher das Gespräch suchen. Ich habe festgestellt, dass viel weniger Ablehnung vorhanden ist, als wir dominanten Männer vielleicht erwarten.

Ein letzter Tip: Wie immer bei Analspielen – viel Gleitgel benutzen, auch wenn der Plug nicht bewegt wird. Das Einsetzen und Herausholen fällt deutlich leichter.

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Auffangen nach einer SM / BDSM Session

Das Auffangen ist ein wichtiges Thema, nach dem häufig gefragt wird.

Eine SM / BDSM Session kann für den unterwürfigen/masochistischen Partner nicht nur körperlich sondern auch seelisch belastend sein. Nach einer Session, die mitunter lange dauern kann, fällt er oft in ein Loch. Der Körper ist überflutet mit Adrenalin und Endorphinen, die plötzlich nachlassen. Auch die Erregungskurve fällt ab.

Viele Bottoms brauchen nun das sogenannte Auffangen. Dies fällt je nach Beziehung der beiden unterschiedlich aus. In jedem Fall sollte sich der Partner aufgehoben und beschützt fühlen. Er ist meist nicht sofort fähig, sich anzuziehen und in die Welt hinaus zu gehen. Das Erlebte muss sacken, verarbeitet werden. Der erste Schritt dazu ist, nicht alleine zu sein, und zu spüren, dass jemand da ist, dem er auch nach dessen Orgasmus noch wichtig ist.

In einer festen Beziehung ist es dem Unterwürfigen oft ein großes Bedürfnis, zu spüren, dass er trotzdem geliebt wird, obwohl es sich vielleicht vorher anders angefühlt hat. Eine Erniedrigung, Schläge, Fesseln, Schmerz und Angst erscheinen plötzlich in einem anderen Licht. Es entsteht die Verknüpfung, dass dies aus Liebe und Lust geschah. Das Auffangen kann ein wundervolles gemeinsames Erlebnis sein.

Aber auch in einer Spielbeziehung ist es wichtig. Der Partner ist meist nur für das Sexuelle da, umso notwendiger ist das Auffangen. Es entsteht eine Nähe, die nichts an der Stellung der Partner ändert, sondern den Top in die Lage versetzt, abermals Stärke zu zeigen. Er ist nun der Beschützer, der über die Sub wacht. Vertrauen ist wichtig bei SM / BDSM, das wird durch das Auffangen bestätigt.

Nach dem Einsatz eines Safewords ist das Auffangen besonders wichtig. Es ist eine Situation entstanden, die schwierig war und einen Abbruch notwendig gemacht hat. Danach sind Gespräche und Nähe dringend notwendig, um klar zu machen, dass es keine wirklich bedrohliche Situation war, und der dominante Teil alles unter Kontrolle hat. Wieder entsteht Vertrauen, welches für eine Weiterentwicklung notwendig ist.

Es gibt Spielarten, die das Auffangen bewusst weglassen. Hier ist gewünscht, dass sich der Partner benutzt fühlt und einsam zurückgelassen wird. Das ist gefährlich, und der dominante Partner muss sehr vorsichtig damit umgehen. Es ist schwer zu erkennen, ob der devote Partner eine solche Behandlung gut übersteht. Der Dom hat große Verantwortung und sollte sich dieser bewusst sein.

Wie kann man auffangen?

Es gibt wunderschöne romantische Beschreibungen vom Auffangen: „Er bindet sie los, wickelt sie in warme Laken, versorgt Ihre Wunden und lässt sie beschützt auf seinem Schoß einschlafen“. Eine schöne Beschreibung für alle, die es romantisch mögen. Aber ein stundenlanges Ritual ist nicht unbedingt notwendig. Körpernähe und Wärme sind zwei wichtige Faktoren. Auch wenn man vorher in Gesellschaft war, ist es wichtig, den Partner aus der Öffentlichkeit heraus in eine geschützte Umgebung zu bringen. Er sollte sich geborgen fühlen. Wünschenswert ist es, dass der/die Dom mehrfach nachfragt, ob alles in Ordnung ist; er sollte prüfen und beobachten, ob es dem Partner gut geht. Dieser kann es nach einer Extremsituation eventuell selbst nicht einschätzen. Es kann angenehm sein, dem anderen einen Tee zu kochen, oder ihn mit etwas Leckerem zu versorgen. Für einen kurzen Moment kann der Dom durchblicken lassen, dass er ein weiches und warmes Herz hat.

Erst wenn ganz sicher ist, dass er/sie zurechtkommt, kann sich der Partner verabschieden. Aber gerade durch den Abschied oder das Verlassen der Wohnung kann es zum Zusammenbruch des Bottom kommen. Meine persönliche Empfehlung: Seid noch eine Zeit lang erreichbar, soweit dies möglich ist.

Wieder einmal hat der dominante / sadistische Part dieses Spiels große Verantwortung, der er sich bewusst sein sollte. Er treibt einen anderen Menschen an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Es ist großes Vertrauen notwendig, damit dies zugelassen wird. Das Vertrauen sollten wir nicht enttäuschen, sondern stärken. Der starke Teil beschützt – hier kann er dies gut zeigen und beweisen, dass das Vertrauen in ihn gerechtfertigt ist.

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Grenzen und Tabus beim SM / BDSM

Wie sorgt man dafür, dass die eigenen Tabus und Grenzen in einer Session eingehalten werden? Gerade Anfänger fragen oft, wie man sicherstellt, dass die selbst festgelegten Grenzen vom (Spiel-) Partner eingehalten werden. Kann ein devoter Mensch, der sich unterwirft, überhaupt Grenzen und Tabus festlegen, oder ist dies nicht viel eher die Entscheidung des Doms?

Grenzen und Tabus muss, darf und sollte der devote/masochistische Mensch festlegen. Jede Session, jedes Spiel und jede Beziehung bedeutet vorherige Kommunikation. Wir sind freie Menschen und müssen entscheiden, was uns Spaß macht und was nicht. Dazu muss klar definiert werden, was in Ordnung ist und was nicht. Daran haben sich Beide zu halten.

Sicherlich kann es zu einer Situation kommen, in der sich ein Teil eine Überschreitung dieser Grenze wünscht, aber das muss besprochen werden und eine eindeutige Zustimmung muss erfolgen. Ich rate jedem devoten/masochistischen Menschen, sich nicht zu etwas überreden zu lassen. Ja, es gibt die Lust daran, sich Dinge antun zu lassen, die man selber nicht mag. Aber das ist eine bewusste Entscheidung und beinhaltet nicht eine Freigabe ohne Tabus und Grenzen. Das sollte auch dem dominanten Teil klar sein: Eine universelle Freigabe ohne Abbruchsmöglichkeit kann es nicht wirklich geben.

Nicht alle Eventualitäten lassen sich vorher festlegen. Manche kennen ihre Grenzen noch nicht, andere haben vielleicht von der einen oder anderen Praktik noch nie gehört. Daher müssen Möglichkeiten eingebaut werden, eine Handlung zu stoppen.
Ein Abbruch kann auf verschiedene Arten erfolgen. Häufiges Hilfsmittel sind sogenannten Safewords. Man vereinbart Worte, die man normalerweise in einer solchen Situation nicht verwenden würde, um als unterwerfender Teil notfalls Einfluss zu nehmen. Ein „Nothalt“ sollte immer vereinbart werden. Viele BDSM-ler benutzen hierzu das Wort „Rot“. Wird das Wort verwendet, muss ein sofortiger Abbruch des Spiels erfolgen, ohne jegliches Wenn und Aber. Es muss nicht erst ein paar Mal gesagt werden. Es hat sich jeder daran zu halten, ein Warum kann später geklärt werden.
Um ein Spiel nicht durch einen Fehltritt zum Abbruch zu bringen, können weitere Safewords vereinbart werden, die verschiedene Bedeutungen haben. Das kann zum Beispiel sein „das war mir zu weit oder zu viel, bitte mach weiter, aber lass das aus oder mach das nicht so fest“. Dafür kann man beispielsweise das Wort „Gelb“ nach der Vorstellung einer Ampel einsetzen.

Jeder hat seine Tabus, und eine Überschreitung dieser Grenzen darf nicht toleriert werden. Wenn jemand seine persönlichen Rechte aufgibt, und einem anderen Menschen gestattet ihn zu dominieren, kann dies nicht universell geschehen.
Viele finden den Gedanken erotisch, zu sagen oder zu hören „mach mit mir was Du willst“. Ein solcher Satz beinhaltet extremes Vertrauen in den anderen. Aber er bedeutet nicht eine universelle Freigabe. Es ist vielmehr ein Satz, der bedeutet: Ich vertraue Dir so sehr, dass Du mit mir machen kannst, worauf Du Lust hast, und ich weiß, dass Du nichts tun wirst, was gegen meine Vorstellungen geht oder mir ernsthaft schaden wird, weil Du mich achtest und respektierst. Dies muss man als dominanter Mensch vor Augen haben.

Das führt zu Diskussionen. Ein extremes Beispiel: Der dominante Mensch hat mit einem solchen Satz nicht die Genehmigung, den anderen zu töten. Dieses Beispiel macht klar, dass es Grenzen gibt die, definiert und klar sein müssen. Darin darf man sich bewegen, und der andere vertraut, dass danach gehandelt wird.

Tabus und Grenzen müssen durch den Unterwerfenden definiert werden, denn es geht um seine Rechte. Bei einem unerfahrenen Menschen können diese Grenzen auch gemeinsam gefunden werden. Dazu ist eine gute Kommunikation notwendig. Ist sich der Unterwerfende über seine Grenzen nicht sicher, hat der Dom eine besondere Verantwortung, behutsam vorzugehen. Bitte denkt daran, die Überschreitung eines Tabus und einer Grenze ist oft der Übergang von einvernehmlichem Sex zu einer Vergewaltigung und Körperverletzung. In diesem Sinne ist die Festlegung der Grenzen und Tabus für alle Beteiligten wichtig.

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Feminismus, Emanzipation und BDSM

Oft fragen mich Menschen, wie man die Themen Feminismus, Emanzipation, Unterwerfung und BDSM vereinen kann. Es handele sich um einen großen Widerspruch; und ob SMler eigentlich gegen die Bewegung der Frauen zur Emanzipation seien.

Aus meiner Sicht stehen sich diese Dinge in keiner Weise entgegen.

Was es für mich bedeutet, wenn sich eine Frau entscheidet, Spaß an der Unterwerfung zu haben: Eine solche Frau entscheidet sich bewusst, dass sie Lust daran empfindet. Sie gibt sich in vollem Bewusstsein einem Partner hin. Sie verzichtet teilweise oder zeitweise auf die Kontrolle ihres Lebens oder Körpers. Sie hat vorher selbst die Grenzen und Tabus definiert, in deren Rahmen sie sich bewegen möchte.

Der dominante Partner nimmt dies auf, er befriedigt ihre Wünsche, auch wenn er dies durch seine Dominanz tut, und es auch seiner Befriedigung dient. Er kann und darf sich nur in dem Rahmen bewegen, den sie ihm vorgegeben hat. Dieser Rahmen ist weit gesteckt sein, er kann wenige Tabus und viele Facetten enthalten. Grenzen werden erweitert und neue Erfahrungen gemacht. Letztendlich hat eine devote, unterwürfige oder masochistische Frau die Kontrolle, und sie hat sich mit Überzeugung und vollem Bewusstsein zu dieser Handlung entschieden.

Ich entschuldige mich ausdrücklich bei allen dominanten Menschen deren Vorstellung es ist, sie hätten die Kontrolle, dass ich ihnen diese Illusion nehme. Diese Kontrolle habt ihr nicht, sie liegt bei ihr. Wir haben die Ehre und das Vergnügen, dass sie uns in diesen Teil ihres Lebens einbindet, und wir haben die Verantwortung, mit den erteilten Rechten umzugehen. Doch am Ende haben wir abzubrechen, wenn sie diese Rechte z.B. mit ihrem Safeword wieder entzieht.

Feminismus, Emanzipation und SM/BDSM passen also durchaus zueinander. Ich glaube sogar, dass es eine Entwicklung des Feminismus ist, dass sich Frauen heute dazu entschließen können und dürfen, dass sie ihre Rechte abgeben. Sie haben die Stärke, die Kraft und die Entscheidungsgewalt zu bestimmen, was mit ihrem Geist und Körper geschieht. Dazu gehört es auch, diese Rechte abgeben zu können. So etwas tun starke Frauen. Sie haben den Mut, die Reife und die Rechte sich zu verschenken. Der dominante Partner sollte sich dies vor Augen führen. Auch wenn er dominiert, hat er einen freien Menschen vor sich, der ihm temporär eine Macht verliehen hat, die ihm jederzeit wieder entzogen werden kann. Es ist ein Privileg, dass uns eine Frau so viel Vertrauen entgegen bringt. Sie muss sich sicher sein, dass diese Macht nicht missbraucht wird.

Wenn man diese Dinge im Kopf hat, ist eine Unterwerfung positiv, solange sie sich im vereinbarten Rahmen bewegt. Ich bin dominant und Feminist, für mich liegt kein Widerspruch darin.

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Darf ein Dom Gefühle zeigen?

Ein Thema, dass beim BDSM Coaching immer wieder auftaucht, ist die Frage nach Gefühlen. Von einer Sub wird die Äußerung von Gefühlen geradezu erwartet. Dominante Menschen scheinen hingegen zu glauben, dass von ihnen erwartet wird, dass sie keine „schwachen“ Gefühle wie z. B. Angst oder Trauer zeigen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Zeigen von Gefühlen für die Beziehung zu devoten Menschen gut sein kann. Hier zeigt der Dom mehr als Fassade. Er zeigt, dass er Mensch ist; und Gefühle gehören zu jedem Menschen.

Damit ist nicht gemeint, dass der Dom in einer Session losheult. Auch in einer reinen Spielbeziehung ist wenig Platz dafür. Aber in einer (SM)-Beziehung sollte Raum dafür sein. Der devote Partner erfährt dadurch, dass auch der dominante andere Empfindungen hat, als die, die er üblicherweise zeigt. Zumal es Raum lässt, sich um den Dominanten zu kümmern. Dieses Bedürfnis nach Fürsorge ist in einer Beziehung oft wichtig – Jeder Dom kümmert sich um seine Sub, ich finde es gut, wenn sich die Sub auch um ihren Dom kümmern darf.
Doms erscheinen oft als harte Burschen, die keine Gnade kennen, die alles wissen und alles beherrschen. Natürlich ist es schön, zu einem solchen Menschen aufzuschauen, aber letztlich ist es eine Illusion. Ist es nicht gut (und realistischer) anzunehmen, dass der Partner trotz Problemen oder Trauer ein starker Partner ist? Darüber hinaus kann es eine schöne Aufgabe für einen devoten Menschen sein, den dominanten zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass er noch stärker wird.

Und wenn ein junger, unerfahrener Dom nicht weiter weiß, finde ich es eher sympathisch, wenn er zum Beispiel offen zeigt, dass er gefrustet oder ratlos ist. Die meisten Menschen leben SM und BDSM, weil sie starke, intensive Gefühle spüren wollen. Ich meine, dass wir diese Gefühle in ihrer ganzen Bandbreite zulassen sollten – auch wenn sie klassischen Dom/Sub-Klischees nicht entsprechen.

Meine Antwort auf die ursprüngliche Frage: Ja, ein Dom kann, darf und sollte Gefühle zeigen, auch wenn diese nicht dominanter Natur sind.

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Joyclub

Ich bin jetzt auch bei Joyclub. Ihr findet mich unter http://www.joyclub.de/my/3415774.bdsm_coach.html

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